Zweirad-Union Mofa 25

Das „Mofa 25" der Nürnberger Zweirad Union AG besticht allein schon durch sein gefälliges Äußeres. Nicht zuletzt wird dieser Eindruck durch das elegante Pastellweiß hervorgerufen, in dem das Mofa serien­mäßig geliefert wird.

Der Typ 110 (so heißt das „Mofa 25" in dem vielfältigen Typenprogramm der Nürnberger Zweirad Union) besitzt einen 50-ccm-Zweitakt-Einzylinder-Motor mit 40 mm Bohrung und 39 mm Hub, der aus der Modellreihe der Mopeds bereits kein Unbekannter mehr ist und in seiner Grundkonzeption genau dem de-s-40-km/h-Mopeds entspricht. Da dieser Motor aber laut der Vorschrift des Gesetzgebers für das Mofa auf eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h gebracht wurde, besitzt er nun so hohe Sicherheitsreserven, wie sie sonst im Fahr­zeugbau wohl nur selten zu finden sind. Rein berechnungsmäßig, von der Seite des Fahrtwiderstandes aus betrachtet, braucht man nämlich zum Erreichen einer Geschwindigkeit von 25 km/h etwa 0,4 PS. Mit diesen 0,4 PS kommt man aber natür­lich in der Praxis nicht ganz aus, weil man mit dem Mofa ja auch im Gebirge fahren will. Man braucht deshalb ungefähr eine Leistung, die etwas über dem Doppelten dieser 0,4 PS liegt. Auf eine genaue Lei­stungsangabe verzichtet man bei diesem Fahrzeugtyp allerdings, weil die 25 km/h vom Gesetzgeber ja vorgeschrieben sind und man befürchtet, durch Leistungsangaben nur abermals einen „PS-Krieg" zu entfalten, wie er schon wiederholt in der Entwicklung der kleinen Motoren zum Ausbruch kam.

Wie beim „großen Bruder", dem Moped- Motor der ZU, werden auch beim Motor des „Mofa 25" für Pleuel- und Kolben­bolzenlagerung Nadellager mit Käfig verwendet. Die Kurbelwelle ist in Kugellagern gelagert. Ein Umstand, der ein Überdrehen des Motors auf starken Gefällstrecken weitgehend ungefährlich werden läßt. Allerdings wird man als Kunde wohl selten in solche Überdrehzahlbereiche kommen, weil man nämlich viel schneller sein kann, wenn man im Gefälle ohne Motor, d. h. mit eingelegtem Leerlauf, fährt!

Die Kühlung des Motors erfolgt durch den Fahrtwind, also nicht mit einem Gebläse. Aber diese Kühlung, das konnten wir auf unserer Fahrt durch die Berge der Fränkischen Schweiz klar feststellen, reicht für diesen Mofa-Motor der Zweirad-Union vollkommen aus. Ein merklicher Leistungsabfall war auch bei mehrmaliger Bergfahrt mit Steigungen von 18 und 25% nicht festzustellen. Selbst ein Anfahren auf einer Steigung von 18% war bei einem Fahrergewicht von 62 kg noch ohne Zuhilfenahme der Pedale nach solcher mehrmaligen Bergfahrt unter hochsommerlichen Temperaturen möglich. Eine wirklich erstaunliche Leistung für dieses 25-km/h-Fahrzeug!

Damit nun aber findige Burschen dieses führerscheinlosen Mofas nicht den Motor auf die Leistung des Mopeds bringen, wurden verschiedene Sicherheitsmaßnahmen getroffen, die eine Leistungssteigerung des kleinen Motors praktisch unmöglich machen.

So befindet sich im Ansaugkanal eine mit dem Zylinder verschweißte, gehärtete Stahlbuchse, die eine nachträgliche Erweiterung des Ansaugkanal-Querschnitts mit normalen Mitteln ausschließt. Hinzu kommt, daß die Zylinderbefestigung anders als beim Moped-Motor erfolgt, so daß ein Auswechseln des kompletten Zylinders gegen den eines schnelleren Motors ebenfalls nicht möglich ist. Aber auch durch eine übersetzungsänderung kann dieses Fahrzeug nicht schneller gemacht werden, weil das hintere Kettenrad mit der Nabe vernietet und zusätzlich die Anbringung des vorderen Kettenritzels so gelöst wurde, daß dieses aus Platzgründen ebenfalls nicht gegen ein größeres ausgetauscht werden kann.

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So präsentiert sich das neue Mofa der Zweirad-Union

Der Bing-Vergaser besitzt einen Durchlaß von 9 mm und gewährleistet durch seine Startvorrichtung ein müheloses Anspringen des Motors bei allen Außentemperaturen. Durch die hohle Lenkkopfstrebe des Fahrzeugrahmens gelangt die Ansaugluft zum Vergaser, wobei diese Strebe gleichzeitig die Funktion des Ansauggeräuschdämpfers ausübt.

Eine Dreischeiben-Lamellenkupplung in der durch schrägverzahnte Stirnräder gebildeten Primärübertragung, im Ölbad laufend, sorgt für weiches Schalten und Anfahren. Das konnten wir vor allem bei Anfahrver­suchen auf einer 18prozentigen Steigung feststellen. Es zeigte sich nämlich, daß da selbst mit manchen leistungsstärkeren Motoren, die nicht mit einer so weichgreifenden Kupplung ausgerüstet waren, ein Anfahren nicht mehr möglich war.

Das mit dem Motor (ebenfalls wie beim großen Bruder) zu einem Block vereinigte Getriebe ist als Zweigang-Getriebe ausgebildet und wird mit Ziehkeil geschaltet. Ganz besonders überraschte dabei die Leichtgängigkeit der Schaltung, die durch einen Schaltdrehgriff am Lenker über einen Seilzug durch Verschieben des in der Antriebswelle gelagerten Ziehkeils erfolgt. Wenngleich auch die Anordnung einer Drehgriffschaltung am Lenker für Frauenhände vielleicht etwas unhandlich erscheinen könnte, so ist sie doch gerade bei diesem Mofa durch den Wegfall des dritten Ganges, der ja wirklich nicht benötigt wird, leicht zu betätigen. Ebenso leicht läßt sich der Motor auch mit seiner PedalTretvorrichtung, die im Motor-Getriebe-Block untergebracht ist, in Gang setzen. Kalt wie auch warm springt er willig bereits nach einer Viertelumdrehung der Pedale an. Die Tretkurbeln lassen sich bei gezogener Kupplung sowie laufendem Motor leicht durchdrehen. Das zu wissen ist vor allem bei einer Talfahrt, auf der der Motor im Leerlauf läuft, wichtig. Man kann nämlich, wie schon gesagt, mit diesem Motor eine Gefällstrecke mit eingelegtem Leerlauf wie mit einem Fahrrad zurücklegen, man muß aber darauf achten, daß dabei der Motor ebenfalls läuft. Man darf also den Motor keineswegs ganz abstellen, da sonst die Pedalen während der Fahrt nicht mehr bewegt werden können und sich so möglicherweise eine ungünstige Stellung für die Betätigung der Rücktrittbremse ergibt.

Der elektrische Strom für Zündung und Beleuchtung wird durch den auf der linken Kurbelwellenseite sitzenden Schwungrad-Lichtmagnetzünder geliefert. Die Leistung dieser Anlage beträgt 17 Watt bei einer Spannung von 6 Volt. Der runde Scheinwerfer des Mofas besitzt eine 15-Watt­Birne für dauerabgeblendetes Licht, das für die Fahrtleistung des 25-km/h-Mofas völlig ausreichend ist. Ein Geschwindigkeitsmesser ist serienmäßig eingebaut.

Der aus gepreßten Stahlblech-Profilteilen hergestellte Rahmen ist elektrisch verschweißt und besitzt in seiner Verlängerung des Rahmen-Hinterteils eine Aufnahme, mit der wiederum das hintere Schutzblech ver­schraubt ist. Der Rahmen gewährleistet Verwindungssteifigkeit des Fahrgestells, das besonders am Gefälle und beim Anbremsen von Kurven in Gefällstrecken ein Gefühl der Sicherheit vermittelt. Der Fahrersattel (wie auch der einfach geklemmte Lenker) können ähnlich wie beim Fahrrad in der Höhe verstellt und so dem Fahrer genau angepaßt werden. Die als Teleskopgabel aus­gebildete Vorderradgabel besitzt einen Federweg von 70 mm. Obwohl die als Federelemente dienenden Schraubenfedern ungedämpft sind, gewährleisten sie doch in Verbindung mit der HinterradLangarmschwinge, die durch zwei Federbeine (ebenfalls unge­dämpft) mit einem Federweg von 60 mm am Rahmenoberteil befestigt sind, ein siche­res und bequemes Fahren auch auf schlechter Fahrbahn. Die Reifen haben die Dimension 23 X 2.00. Der 4,5 Liter fassende Kraftstoff­behälter ist in Gummi gelagert.

Zur Sicherheit des Fahrers tragen ganz besonders (vor allem beim Fahren im Ge­birge) die reichlich dimensionierten Bremsen bei. Hier sind wirklich die Bremsen wesentlich schneller als das Fahrzeug selbst, wie man so schön sagt! Diese Vollnaben-Bremsen mit einem Trommeldurchmesser von 89 mm und einer Belagbreite von 18 mm gewährleisten auch bei langen, steilen Bergabfahrten ein leichtes und schnelles Bremsen auf kürzestem Weg. Ein Fading der Bremsen konnte auf unserer Fahrt in den Bergen der Fränkischen Schweiz prak­tisch überhaupt nicht festgestellt werden, und es war möglich, Kurven in Gefäll­strecken von 18, ja sogar 25% mit hohen Leerlauf-Geschwindigkeiten auch ohne Zuhilfenahme der Voderradbremse sicher anzubremsen.

Die Zweirad Union ging in der Entwicklung nicht den Weg des „einfachen und billigen" Fahrzeugs, sie entschloß sich für ein komfortables und vor allem fahrsicheres Motorfahrrad. Das ist ihr, wie unsere Fahrteindrücke deutlich zeigten. ausgezeichnet gelungen. Das Victoria-„Mofa 25" ist ein überaus komfortables „Fahrrad mit Hilfsmotor", und als solches betrachtet hat es durchaus seine Berechtigung neben den schon vorhandenen 40-km/h-Modellen. Es ist ein billig zu unterhaltendes motorisiertes Fahrzeug, und wir könnten uns vorstellen, daß es sich für die täglichen Besorgungen der Hausfrauen und als Kurzstreckenfahrzeug in der Stadt ganz besonders eignet.

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Victoria 25" im Test — vor Bergen nicht bange!

Technische Daten des Zweirad-Union Typ 110 "Mofa 25"

Motor:

Bohrung 40mm, Hub 39mm, Hubvolumen 49ccm, Verdichtung 1 : 8.Vergaser: Typ 1/9/47, Getriebe: 2 Gänge und Leerlauf. Ziehkeilschaltung. Übersetzungen: Motor/Getriebe 3,94 : 1; Zweiganggetriebe 1.Gang 1 : 3,46, 2.Gang 1 : 1,78:. Schwungrad- Lichtmagnetzünder 17W. Scheinwerferlampe 6 V, 2 W.

Fahrgestell:

Stahlblech-Preß-Rahmen mit Hinterrad Langschwinge. Teleskop- Vordergabel. Innenbackenbremsen. Felgen 23"x 2,0, Bereifung 23" x 2,00. Tank 4,5 Liter

Preis: DM 725,-

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