Victoria Super Luxus Typ 107

Dieses Vorziehen des Hauptprogrammes bringt für den Formgestalter nicht unerhebliche Schwierigkeiten hinsichtlich der Einfügung der Vordergabel in das Gesamtbild und die Konstruktion – die Verwendung einer im Oberteil motorradmäßigen Gabelausführung entfällt, das fahrradmäßige untere Gabelquerloch in formlich einwandfreien Zusammenklang zu bringen auch mit gewünschtem Langarm – war sicherlich nicht leicht, ist aber durchaus gelungen.

 

Es gab einmal eine Zeit – 1954/55 war das -, da war die Vicky III von Victoria das unbestritten modernste Moped in Deutschland, und die so genannte ,, Vicky Linie“ wurde zum angestrebten Vorbild zahlreicher anderer Moped-Hersteller. Der typische Tankschalenrahmen der Vicky war eine einmalige Lösung – als konstruktive Leistung um so mehr anzuerkennen, als man sich den damals bei Victoria gegebenen Fertigungsmöglichkeiten unterordnen musste und trotzdem etwas auf die Beine stellte, was mit keinem Linienzug als Kompromiss erschien.

Aber nicht nur die Vicky – Linie war es, die dem Victoria- Moped von Ruf verschaffte – nicht minder war es der leistungsfähige Motor, der mit Recht als der schnellste und dabei noch als einer der zuverlässigsten und anspruchslosesten Moped-Motoren galt.

Der Geschmack des Käuferpublikums hat sich dann später gewandelt – es kam nicht nur die Notwendigkeit, auf Hinterradfederung umzustellen, es kam die Forderung, der Vordergabel das fahrradmäßige Gesicht zu nehmen und auch vorn auf größere Federwege überzugehen – es kam die Mode der Sitzbank und des großvolumigen Tanks. Es war für die Leute, die für die konstruktive Weiterentwicklung des Victoria- Mopeds verantwortlich waren, nicht immer leicht, ihre Vicky- Linie mit den Elementen einer neuen Geschmacks- und Moderichtung in Einklang zu bringen – allein schon die Vergrößerung des Tankvolumens ( für die es, rein technisch gesehen, um so weniger eine Begründung gab, je mehr sich die Tankstellen auf die Abgabe auch kleinster Mischungsmengen einrichteten!), bereitete beträchtliche Sorgen – und dazu kamen Schwierigkeiten von der Fertigungsseite, die die Gefahr in sich bargen, dass der nun auch bis zum Heck durchgeführte Schalenrahmen nicht die genügende Steifigkeit aufweisen könnte. Aber man hielt eisern an der Vicky- Linie fest,

Die Federbeine für die vordere Langschwinge, die in Silentblocks wartungsfrei gelagert ist, wurden gegenüber früheren Ausführungen erheblich verbessert, ein ,,Zurückprellen“ ist jetzt vermieden. Das seitlich weit heruntergezogene Schutzblech passt nicht nur zur wuchtigen Gesamtlinie, sondern bietet auch weit reichenden Spritzschutz für Schuhe und Beinkleider des Fahrers.

 

Überwand manchen Rückschlag – und kam schließlich in geglückter Kombination des schon Traditionellen mit Hochmodernen, aus dem Süden Inspirierten zur Vicky-Super-Luxus, die neben der DKW-Super-Hummel der Verkaufsschlager der Zweirad-Union wurde. Diese beiden Modelle brachten dem neuen Nürnberger Gemeinschafts-Unternehmen eine Verkaufsbasis, von der selbst Optimisten nicht zu träumen gewagt hätten, als in der Nopitschstraße die neuen Leute die Zügel in die Hand nahmen.

Die Lenkerform entspricht dem Wunsch der Käufer einer solchen Maschine, bequem du aufrecht zu sitzen – ein Sportmoped will die Super- Luxus ja nicht sein, dafür hat die Zweirad Union ihre Avanti. Selbstverständlich gleicht nun auch die Lenkerbefestigung den vom Motorrad her bekannten Beispielen – die Klemmbefestigung der Fahrradlenkers kann man heute bei Mopeds dieser Gewichts- und Ausstattungsstufe natürlich nicht mehr verwenden.

 

Hierzu kommt allerdings, dass es neben der schrittweisen Ausmerzung mancher Fahrgestell-Schwierigkeiten gelang, dem erstmalig in der Vicky IV gebrachten Motor M 51 (der Motor der Vicky III führte die interne Typenbezeichnung M 50) alle die ärgerlichen Unzugänglichkeiten auszutreiben, mit denen er von der fertigungstechnischen Seite her zunächst belastet war. Heute genießt der Vicky- Mopedmotor wieder den gleich guten Ruf wie sein Vorgänger in der Vicky III – und er braucht sich auch keinesfalls mehr hinter dem von Anfang an geglückten DKW-Motor der Hummel, mit dem er friedlich nebeneinander in einer Halle montiert und eingebaut wird, zu verstecken.

Die Heckpartie des Schalenrahmens: absolut steif nicht nur mit Rücksicht auf die Doppelsitzbank und die mögliche Belastung mit zwei Personen, sondern auch als Basis für die Lagerung der hochstegigen und ebenfalls verschwindungssteifen Schwinge, die die Soziusrasten tragen muss, und die Abstützung der langhubigen, allerdings ungedämpften Federbeine mit progressiver Wirkung. Praktische, serienmäßig eingebaute Kofferbrücke!

 

Unsere Bilder vermitteln einen guten Eindruck von diesem Modell, das zweifellos die letzte Entwicklungs- und Kultivierungsstufe der so erfolgreichen Vicky-Serie darstellt – die aber natürlich mit keinem Detail mehr daran erinnert, dass das Ausgangsmodell, die Vicky I, einmal nichts anderes war als ein verstärktes Fahrrad mit seitlich neben dem Hinterrad angebauten 38-ccm- Hilfsmotor!

Und das Herz auch der Super- Luxus ist der in Hunderttausensenden von Exemplaren im In- und Ausland gefahrene Vicky- Motor mit Dreiganggetriebe, der mit einer Leistung von 1,8 PS bei 4650 U/Min. für die Inlandausführung ( 40km/h Spitze) geliefert wird. Im Schalenrahmen liegender, aber ausreichend ( nach Abnehmen des Handgriff Deckels) zugänglicher Vergaser, Ansaugluft kommt schallgedämpft durch den Rahmen .

Technische Daten:

Motor: VICTORIA – Einzylinder-Blockmotor; 47ccm Hubraum; Bohrung 38 mm; Hub 42 mm; Verdichtungsverhältnis 1:6,5; 1,8 PS bei 4650 U.Pro Min.; Motorgehäusedeckel hochglanzpoliert; Abnehmbarer Leichtmetallzylinderkopf; Grauguß-Zylinder; Flachkolben; im Rahmen eingeschlossener Aber bequem zugänglicher Bing-Vergaser mit Start-Vorrichtung, Nassluftfilter und Ansauggeräuschdämpfer; Normverbrauch ca. 1,4 Liter/ 100km bei 30km/h auf ebener Straße.

Getriebe und Kraftübertragung:

Im Motorblock eingebautes Zweigang- oder Dreiganggetriebe mit Leerlauf; Ziehkeilschaltung; Dreischeiben- Lamellenkuppelung; Kraftübertragung auf das Hinterrad durch eine Kette im geschlossenen Kettenkasten; Tretkurbeln zum wahlweisen Start aus dem Stand oder beim Fahren.

Fahrgestell: Preßschalenrahmen mit Profilrohrgabel; Abfederung des Vorder- und Hinterrades durch Langschwingen, im Silentblock gelagert und durch Federbeine abgestützt; Innenbacken-Vollnabenbacken- Vollnabenbremsen für Vorderrad und Hinterrad; Hinternabe mit Steckachse; vergrößerte Nachstellmöglichkeit für Bremsbacken; Superballonbereifung 23 x 2.50 mit Weißwanddecken; tiefgezogenes Vorderrad- Schutzblech; Vollschmutzschutz am Hinterrad; Farbe hellblau/ beige.

Kraftstoffbehälter: Inhalt ca. 5,1 Liter Kraftstoffgemisch, normal ausreichend für ca. 350km Fahrt; Kraftstoffhahn mit sieb und Reserveschaltung.

Ausstattung: 2 Werkzeugbehälter mit vollständigem Werkzeug; Breitstrahlscheinwerfer mit Tachometer und Glocke; Chrombügel am vorderen Schutzblech; breite Zierblenden am Rahmen; Chromfelgen; Gepäckträger; Diebstahlsicherung im Steuerkopf; Schlussleuchte mit Rückstrahler kombiniert; Mittelständer; Doppelsitzbank für 2 Personen; Soziusfussrasten; Kindersitz- Anbaumöglichkeit (serienmäßig vorgesehen).

Maße und Gewichte: Radstand ca. 1160 mm; Länge ca. 1870 mm; Höhe ca. 975mm; Sitzbankhöhe ca. 790mm; Leergewicht 60 kg; zulässiges Gesamtgewicht 218 kg.

 

Technische Daten zusammengefasst :

  Typ 107
Motor M51 / 51d oder 808
Leistung 1,8ps bei 4650 u/min bzw. 2,0ps bei 4900u/min
Vergaser bing 1/10/15
Durchlass

¢10mm

Kupplung 3-Scheiben-Lamellenkupplung
Getriebe Zwei- bzw. Dreigang mit Ziehkeilschaltung
Übersetzung

3,34:1

Elektrik Schwungrad-Lichtmagnetzünder
Leistung 6V / 17W
Zündkerze Wärmewert 190 bzw. 225
Ölfüllung getriebe 550ccm SAE 80
Reifengröße Vorne: 23" x 2,25, Hinten 23" x 2,50

 

Zuletzt angesehen